Druckansicht - Wednesday 19. June 2013

Inhalt:

Erklärungen 2002

Erklärungen der Österr. Bischofskonferenz


Herbst 2002


Sommer 2002


Frühjahr 2002


 


Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz Herbst 2002


Konferenz von 4.-7. November 2002, Salzburg


1. Zur politischen Situation


Angesichts des bevorstehenden Beitritts mehrerer unserer Nachbarländer zur Europäischen Union und angesichts der bevorstehenden Wahl zum Österreichischen Nationalrat wird von vielen Seiten auch ein Wort der Österreichischen Bischofskonferenz erwartet.

 

Nach den bitteren Erfahrungen in der Zeit der Ersten Republik haben die Bischöfe den Klerus generell aus der Parteipolitik zurückgezogen. Die Kirchenleitung betreibt keine Parteipolitik und dabei wird es auch in Zukunft bleiben. Wohl aber setzen sich die Bischöfe gemeinsam mit vielen Katholiken des Landes im politischen Leben Österreichs für eine Wertepolitik zum Schutz unverzichtbarer Werte ein.

 

Es geht dabei besonders um den unverzichtbaren Wert menschlichen Lebens und seiner Würde von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Es geht um das Prinzip Familie, wobei die intakte Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kindern nicht nivelliert und statistisch schließlich zur Ausnahme werden darf. Es geht um Solidarität mit Menschen in seelischer und materieller Not im eigenen Land und nach unseren Kräften auch - wie die Bibel sagt - bis an die Grenzen der Erde.

 

Für uns Bischöfe und für die Katholiken überhaupt kann es dabei nicht nur um den Schutz eines einzelnen auch noch so wichtigen Wertes gehen. Es geht uns immer auch um ein Miteinander von Werten, die einander stützen und tragen, und die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, wenn das Wohl des ganzen Menschen und der ganzen Gesellschaft berücksichtigt werden soll.

 

In Österreich ist im Hinblick auf die Förderung dieses Miteinanders von Werten in den letzten Jahren viel Gutes geschehen, für das wir dankbar sind und das für andere Länder vorbildlich sein könnte. Genannt seien beispielsweise die finanzielle Förderung von Familien und Kindern, die Verhinderung embryonenzerstörender Stammzellenforschung, der Widerstand gegen Euthanasie, die Hospizbewegung, die Karenz für Familienangehörige von Sterbenden.

 

Unser Land Österreich liegt in der Mitte Europas. Dies wird durch die Erweiterung der Europäischen Union noch bewusster werden. Gemeinsam mit dem Heiligen Vater hat sich die Österreichische Bischofskonferenz prinzipiell stets für die Erweiterung der Europäischen Union eingesetzt, ohne zu übersehen, dass damit verbundene schwierige Sachfragen in fairer demokratischer Auseinandersetzung geklärt werden müssen. Die Bischöfe haben gemeinsam mit dem katholischen Laienapostolat ihre Argumente für eine Erweiterung oder besser gesagt Europäisierung der Europäischen Union immer wieder öffentlich bekannt gemacht.

 

Christen tragen und beseelen einen großen Teil der Zivilgesellschaft unseres Landes. Sie sollen ohne Arroganz, aber auch ohne sich zu verstecken, kompetent und beherzt mitreden, wenn es um das Wohl dieser Gesellschaft und den Weg in die Zukunft geht. Wir möchten die Christen dazu ermutigen und daran erinnern, dass die Beteiligung an politischen Wahlen ein wichtiges Instrument zur Mitgestaltung unserer österreichischen Demokratie ist. Und wir bitten die Christen, gerade jetzt für das Gedeihen unseres Staates zu beten, so wie es schon die Christen der Frühzeit getan haben.


2. Ökumenisches Sozialwort


Das Rohkonzept des Ökumenischen Sozialworts wurde namens der Redaktionsgruppe von Oberin Prof. Christine Gleixner und P. Alois Riedlsperger SJ den Bischöfen präsentiert (wie es in ähnlicher Form auch bei Beratungsvorgängen anderer Kirchen geschehen ist). Das Sozialwort der 14 christlichen Kirchen in Österreich soll ein Wort der Zuversicht, der Wegweisung auf dem Fundament des christlichen Glaubens sein, das den Menschen in der derzeitigen Umbruchsphase der Gesellschaft Orientierung gibt.

 

Die Bischöfe stimmen der Grundlinie des Sozialworts zu, die auf Ermutigung zur Verantwortung, Betonung des Beitrags der Christen in diesem Land und Neugestaltung der Lebensräume abzielt. In diesem Zusammenhang ist auch die Tagung in Vorau am 8. November über die "Zukunft des ländlichen Raums" zu sehen, bei der Diözesanbischof Alois Schwarz die Haltung der katholischen Bischöfe darlegen wird.

 

Mit dem Sozialwort soll nicht in tagespolitische Fragen eingegriffen werden, es geht vielmehr um die nachhaltige Behandlung wichtiger gesellschaftspolitischer Themen. Kriterien sind dabei die menschliche Würde, die Spiritualität der Bibel und die Zukunftsorientiertheit.

 

Die christlichen Kirchen möchten Antwort auf jene Fragen geben, die sich in den beiden ersten Phasen des Projekts Sozialwort - der "Standortbestimmung" der Kirchen in sozialer Hinsicht und der Diskussion des daraus entstandenen "Sozialberichts" - als besonders dringlich erwiesen haben. Das Sozialwort entsteht im Dialog mit der Gesellschaft und ihren Verantwortungsträgern; dieser Dialog soll auch nach der für Herbst 2003 vorgesehenen Veröffentlichung des Sozialworts weitergeführt werden.


3. Hilfe für den "Süden"


Die Mitgliedsorganisationen der "Koordinierungsstelle der Österr. Bischofskonferenz für Mission und Entwicklungshilfe" (Dreikönigsaktion, Missio-Austria, Caritas, Katholische Frauenbewegung, Katholische Männerbewegung usw.) und die Missionsorden haben im Vorjahr für Pastoralarbeit, Entwicklungsarbeit, Katastrophenhilfe und entwicklungspolitische Bildungsarbeit in den Ländern des "Südens" insgesamt 86 Millionen Euro geleistet. Die Gesamtleistung war um 4,4 Prozent geringer als im Jahr 2000; dies ist aber ausschließlich auf den Rückgang der den Organisationen anvertrauten öffentlichen Mittel zurückzuführen, während der Eigenmitteleinsatz und die EU-Mittel gleich blieben.

 

Die von der Kirche eingesetzten Eigenmittel - 65,6 Millionen Euro - sind um 20 Prozent höher als die gesamte staatliche Programmhilfe. Im Betrag von 65,6 Millionen Euro sind übrigens jene umfangreichen Mittel noch nicht enthalten, die von Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften und Selbstbesteuerungsgruppen für ihre Partner im "Süden" aufgebracht werden.

 

Die katholische Kirche kann bei ihrer Hilfe für die Länder des "Südens" auf die örtlichen kirchlichen Strukturen zurückgreifen und so eine Hilfe leisten, die ankommt - ohne großen administrativen Aufwand. Für die Projektvorbereitung, Projektbegleitung und Verwaltung wurden 5,89 Prozent aufgewendet. Die Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern im "Süden" garantiert somit eine effektive und effiziente Hilfe.

 

Bildungsarbeit und Anwaltschaft, Sprachrohr sein für die Not der Menschen im "Süden", bilden einen wesentlichen Schwerpunkt des kirchlichen Einsatzes für Mission und Entwicklungshilfe. Auf diesem Hintergrund setzt sich auch die "Koordinierungsstelle der Österr. Bischofskonferenz für Mission und Entwicklungshilfe" für eine verbesserte Entwicklungszusammenarbeit im staatlichen Bereich ein, insbesondere für die Erreichung des Zieles 0,7 Prozent des BNP.


4. "Allianz für den freien Sonntag"


Die "Allianz für den freien Sonntag" erweist sich immer mehr als gutes Beispiel für die von den österreichischen Bischöfen angestrebten Allianzen mit gesellschaftlichen Kräften in Sachfragen. Die Veranstaltungen der "Allianz für den freien Sonntag" von 8. bis 11. November in allen Bundesländern zeigen, dass viele Menschen in Österreich die Sorge um den schöpfungsgemäßen Zeitrhythmus des gesellschaftlichen Lebens teilen; in besonderer Weise kommt diese Sorge beim Aktionstag am 11. November in Salzburg in Anwesenheit des zuständigen Referatsbischofs Maximilian Aichern zum Ausdruck. Ein schöpfungsgemäßer Zeitrhythmus bedeutet einen wesentlichen Beitrag zur Vermenschlichung des Zusammenlebens; gemeinsame freie Zeit heißt mehr Lebensqualität.

 

Zugleich zeigt die "Allianz", dass es möglich ist, trotz unterschiedlicher Motivation gemeinsam zu handeln. Für die Christen besteht diese Motivation nicht nur in der Sorge um einen humanen Wert, sondern in der Verpflichtung durch den besonderen religiösen Charakter des Sonntags; denn jeder Sonntag ist als Tag der Auferstehung Christi ein "kleines Osterfest". Für die Katholiken bedeutet dieses allsonntägliche Osterfest die Verpflichtung zur Teilnahme an der Eucharistiefeier, die den Grund zur ganzen christlichen Existenz legt.


5. Hochwasserhilfe Caritas


Die Bewältigung der Hochwasserkatastrophe hat unter Beweis gestellt, wie tief das Prinzip der Nächstenhilfe bei den Menschen Österreichs verankert ist. Allen Helfern - vor allem den Soldaten, Feuerwehrleuten, unzähligen Freiwilligen - ist ebenso ein herzliches Vergelt´s Gott zu sagen wie den Menschen, die nach der Katastrophe in so großzügiger Weise gespendet haben, um wenigstens die materiellen Schäden des Hochwassers wieder gutzumachen.

 

Die kirchliche Caritas hat gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen und dem ORF Bewunderungswürdiges geleistet. Dass der Spendenstand für die Hochwasserhilfe sich jetzt schon auf 70,1 Millionen Euro beläuft, ist ein "Zeichen der Hoffnung" auch für die richtige Rangordnung der Werte in unserem Land. Insbesondere in der ersten Phase der Hochwasserhilfe, der Soforthilfe, wurde spürbar, wie nahe die Caritas durch die Pfarrgemeinden den Menschen ist.



Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz Sommer 2002


von 17. bis 19. Juni 2002 in Mariazell

 


1. Steigende Katholikenzahl


Die Zahl der Katholiken ist in Österreich wieder im Steigen begriffen. Dies geht aus der jetzt vorliegenden kirchlichen Statistik für das Jahr 2001 hervor. Nach den Angaben der kirchlichen Statistiker betrug die Zahl der Katholiken in Österreich im Jahr 2001: 5,954.295. Damit war die Katholikenzahl im Vorjahr höher als in allen vorangegangenen Jahren seit 1996 (im Jahr 2000 hatte sie 5,875.763 betragen, im Jahr 1996: 6,061.480).

Bei den Kirchenaustritten setzte sich im Jahr 2001 die sinkende Tendenz fort: 33.857 verließen im Vorjahr die Kirche, im Jahr davor waren es 35.711 gewesen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Wiedereintritte: 3.402 Personen kehrten im Jahr 2001 in die Kirche zurück, im Jahr 2000 waren es nur 3.258 gewesen.

 

Die meisten Kennzahlen aus dem pastoralen Bereich blieben im Vorjahr im Rahmen der jahrgangsbedingten Schwankungen gleich: So wurden 59.052 Taufen registriert (im Jahr 2000 waren es 60.293), die Zahl der Erstkommunionen betrug 73.834 (im Vorjahr: 75.744), die der Firmungen 60.044 (im Vorjahr: 63.445).

 

Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer wurde von den Kirchenstatistikern am Zählsonntag in der Fastenzeit 2001 mit 931.225 eruiert (gegenüber 937.914 im Jahr 2000). Dabei ist zu bedenken, dass die Zahl der Gottesdienstteilnehmer an den Feiertagen wesentlich höherer liegt. Zahlreiche Seelsorger berichten vor allem im städtischen Bereich von einer wachsenden Zahl der Gottesdienstteilnehmer zu Ostern, Weihnachten, Pfingsten, Allerheiligen usw. Mit rund einer Million Gottesdienstteilnehmern an jedem Sonntag stellt die Messfeier in Österreich die meistbesuchte Veranstaltung dar.


2. Europa


Für die Verwirklichung der neuen Einheit Europas bedarf es nicht nur des gemeinsamen Marktes, der politischen und militärischen Machtstrukturen, sondern insbesondere auch des Beitrags der kulturellen Kräfte und der Religionsgemeinschaften. Wenn die Kirchen auf dem "Bauplatz Europa" mitbauen wollen, dann geht es nicht um Machtansprüche, sondern um kreative und kritische Begleitung, Beratung und Beurteilung des Geschehens der "europäischen Wiedervereinigung". Die Kirchen nehmen an der "Civil Society" teil, ohne in ihr aufzugehen.

 

Im Hinblick auf die Arbeiten des Europäischen Konvents rufen wir österreichischen Bischöfe vier Aspekte in Erinnerung:

 

1. Die Europäische Union möge das Recht der Kirchen und Religionsgemeinschaften anerkennen, sich auf Grund ihrer inneren Ordnung zu organisieren und ihre Aufgaben frei und ungehindert zu erfüllen.

 

2. Die Europäische Union möge die Identität und den besonderen Beitrag der Kirchen und Religionsgemeinschaften respektieren und mit ihnen einen dauerhaften und partnerschaftlichen Dialog aufnehmen. In erster Linie geht es dabei um einen regelmäßigen Gedankenaustausch in relevanten Grundsatzfragen.

 

3. Zum partnerschaftlichen Dialog gehört aber auch die Einrichtung eines "Bureau de Liaison", einer Anlaufstelle in Brüssel, auf der unterhalb der Spitzenebene fruchtbare und vertrauensvolle Kooperation zwischen den Institutionen der Europäischen Union und den Kirchen und Religionsgemeinschaften möglich ist. Ebenso regen wir die Einrichtung eines Begutachtungsverfahrens an, wie es in Österreich seit jeher üblich ist. Ein solches Verfahren würde es ermöglichen, die sachlich relevanten Standpunkte der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Gesetzesvorhaben auf europäischer Ebene einzubringen. Dies könnte auch ein Beitrag zur Vertiefung des Vertrauens zwischen EU-Institutionen und Bürgern sein.

 

4. Die Europäische Union möge den rechtlichen Status der Kirchen und Religionsgemeinschaften in den einzelnen Mitgliedsstaaten respektieren. Dies könnte am ehesten dadurch zum Ausdruck kommen, dass die "Kirchen-Klausel" des Amsterdamer Vertrages an angemessener Stelle in eine künftige europäische Verfassung übernommen wird.


3. Mitteleuropäischer Katholikentag


Papst Johannes Paul II. hat bei seinen Pastoralbesuchen in Österreich die Brückenfunktion unseres Landes im Herzen Europas betont. Im Zeichen dieser Brückenfunktion steht der Mitteleuropäische Katholikentag 2003/2004 unter dem Motto "Christus - Hoffnung Europas".

 

Der Katholikentag wird von derzeit acht Bischofskonferenzen - Bosnien, Kroatien, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn und Österreich - getragen. Die Laienorganisationen und die Orden sind in die Trägerschaft einbezogen. Inspiriert vom Gedanken der Neuevangelisierung und der Wiedervereinigung Europas soll die gemeinsame Verantwortung für Kirche und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen.

 

Der Start erfolgt in den acht Ländern gleichzeitig am 31. Mai/1. Juni 2003. Aus diesem Anlass wird es auch erstmals ein gemeinsames Hirtenwort der beteiligten Bischofskonferenzen geben. In den folgenden Monaten sind acht gemeinsame Symposien der Bischofskonferenzen zu pastoralen und gesellschaftspolitischen Fragen geplant. Die Österreichische Bischofskonferenz wird ein Symposion zum Themenkreis "Umsetzung der kirchlichen Soziallehre" (Sozialpartnerschaft, Allianz für den Sonntag) hauptverantwortlich vorbereiten. Über die acht Symposien hinaus wird es eine Fülle von bilateralen und multilateralen Veranstaltungen in der Trägerschaft kirchlicher Einrichtungen und katholischer Organisationen geben.

 

Abschluss und Höhepunkt des Mitteleuropäischen Katholikentags ist die "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell am 22./23. Mai 2004. Diese Wallfahrt wird vom biblischen Leitwort "Was Er euch sagt, das tut" (Johannes 2,5b) geprägt sein.

 

Die Bischöfe haben sich bei der jetzigen Sommervollversammlung im steirischen Marienort ausführlich mit den inhaltlichen und organisatorischen Fragen der "Wallfahrt der Völker" befasst.


4. Klarstellung zur "Frauenweihe"


Unter Missachtung der Lehre und Tradition der katholischen Kirche möchte eine kleine Gruppe von Frauen für sich den Weg zum Weihepriestertum erzwingen. Eine solche vorgetäuschte Weihehandlung ist ungültig. Der zuständige Diözesanbischof von Linz hat ein klarstellendes Hirtenwort veröffentlicht, dem sich die österreichische Bischofskonferenz anschließt.

 

Gemäß der Lehre der katholischen Kirche kann das Sakrament der Priesterweihe nur Männern erteilt werden. Dies entspricht der vom Zweiten Vatikanischen Konzil vertretenen Lehre von der Einheit des Weihesakramentes in seinen drei Ausfaltungen durch Bischofs-, Priester- und Diakonatsweihe. Es ist die verbindliche Lehrtradition sowohl der katholischen wie der orthodoxen Kirche.

 

Man muss zwar immer neu bereit sein, die Gründe für diese Tatsache zu erläutern, kann sie aber nicht in Frage stellen, wenn die Einheit mit der Weltkirche nicht zerbrochen werden soll. Die für kirchliche Dienste und für das Laienapostolat beauftragten Männer und Frauen stehen hier in einer besonders qualifizierten Verantwortung.


5. Bischofswort von Bischof Aichern


Das am 16. Juni in der Diözese Linz am Schluss der Gottesdienste verlesene Bischofswort von Bischof Maximilian Aichern hat folgenden Wortlaut:

 

Seit mehreren Wochen gibt es Berichte über eine bevorstehende sogenannte "Priesterweihe von Frauen". Durch Pressemeldungen, wonach im Zusammenhang damit zudem eine sehr fragwürdige "Bischofsweihe" stattgefunden haben soll, wurde die Situation noch verworrener. Deshalb sehe ich mich als Diözesanbischof veranlasst, auch auf dem Weg eines Bischofswortes einige Klarstellungen zu treffen. Wiederholt habe ich Betroffene darauf aufmerksam gemacht, dass die von ihnen beabsichtigten Schritte einen grundsätzlichen Bruch mit der Kirche bedeuten und aus der Einheit der römisch-katholischen Kirche hinausführen. Mehrmals habe ich klargestellt, dass nach katholischer Lehre und Disziplin eine Priesterweihe gültig nur Männern gespendet werden kann. Eine trotzdem vorgenommene Weihesimulation an Frauen ist daher nicht nur ungültig, sondern im erklärten Widerspruch mit der Kirche, ja sie vermag möglicherweise auch andere Gläubige in diese Abspaltung von der kirchlichen Gemeinschaft mit hineinzuziehen. Es kann daher auch keinerlei liturgische Handlung durch diese Personen gestattet werden. Ausdrücklich wende ich mich in diesem offenen Wort nochmals an die Initiatorinnen und Initiatoren der genannten Aktion, dass sie sich die vielfachen Auswirkungen bewusst machen, und appelliere aus bischöflicher Sorge an sie, von ihrem Vorhaben Abstand zu nehmen, damit die Einheit der Kirche nicht zerstört wird.




Erklärungen der Österreichischen Bischofskonferenz Frühjahr 2002


von 19. bis 21. März 2002 in Götzis, Vorarlberg



1. Respekt vor dem Heiligen


Wenn es um die Verspottung der Zentralgestalt des christlichen Glaubens geht, müssen Christen in der Öffentlichkeit entschieden Nein sagen. Wir Bischöfe wissen uns mit vielen Menschen in diesem Land eins, die nicht akzeptieren wollen, dass der Glaube an Jesus Christus, auf den sie ihr Leben bauen, lächerlich gemacht wird und die heiligsten Symbole dieses Glaubens für billige Späße missbraucht werden.

 

Selbstverständlich haben sich auch Religionsgemeinschaften der öffentlichen Kritik zu stellen. Aber das kann kein Freibrief für eine permanente Verächtlichmachung des Christentums sein. Österreich und seine Kultur werden wesentlich vom Christentum getragen. Das Zusammenleben in der pluralen Gesellschaft kann nur gedeihlich funktionieren, wenn die tiefsten Überzeugungen großer Gruppen von Bürgern respektvoll behandelt werden. Das ist kein enges konfessionelles Anliegen, sondern ein selbstverständlicher Auftrag für eine moderne und humane Gesellschaft.


2. Heiliges Land


In den Tagen vor Ostern gilt das Gebet der Kirche in Österreich in besonderer Weise dem Frieden im Heiligen Land, dessen Menschen tagtäglich von Terror und Gegenterror bedroht sind. Wir Bischöfe hoffen, dass in der Heimat Jesu endlich ein Licht begründeter Hoffnung auf Frieden entzündet wird.

 

Zugleich verurteilen wir auf das Schärfste alle Formen von Terror und Repression, die schuldlose Menschen treffen und die Infrastruktur des Landes zerstören. In diesem Zusammenhang protestiert die Österreichische Bischofskonferenz gegen die willkürliche Beschießung und teilweise Zerstörung des katholischen Schulzentrums in Gaza. Dieses Schulzentrum wurde wesentlich mit Spenden österreichischer Katholiken aufgebaut, vor allem von Mitgliedern des Ritterordens vom Heiligen Grab. Im Gaza-Streifen ist dieses Schulzentrum einer der wenigen Orte, an denen das Miteinander von jungen Menschen unterschiedlicher Religion gelehrt und verwirklicht wird.

 

In großer Verbundenheit mit allen Bewohnern des Heiligen Landes - Juden, Christen und Muslimen - möchten wir unsere besondere Sorge betreffend die Situation der dort lebenden Christen zum Ausdruck bringen. Der ständige Konflikt und seine wirtschaftlichen Auswirkungen zwingen besonders viele Christen zum Verlassen des Landes. So besteht die Gefahr, dass eines Tages im Heiligen Land nur mehr Steine von der Botschaft Jesu Zeugnis geben. Wenn die Kirche von Jerusalem als Mutterkirche bedroht ist, dann ist die gesamte Kirche davon betroffen.

 

Wir laden daher zu einer Brücke des Gebets zwischen den Katholiken in Österreich und den Christen im Heiligen Land ein. Darüber hinaus soll am Karfreitag in allen Gotteshäusern für die Not leidenden Christen des Orients gesammelt werden.


3. Europa


Die "Wiedervereinigung Europas" geht mit der bevorstehenden Aufnahme neuer Kandidatenländer in die Europäische Union in eine entscheidende Phase. Diese "Wiedervereinigung" muss in erster Linie als historische Notwendigkeit und als große Chance gesehen werden - gerade für ein Land wie Österreich, das im Herzen des Kontinents liegt. Die Zukunftschancen, die sich für Europa durch eine solche "Wiedervereinigung" ergeben, haben nach unserer Überzeugung mehr Gewicht als die damit verbundenen Probleme. Wir nehmen diese Probleme und die damit verbundenen Sorgen vieler Menschen selbstverständlich ernst und wollen nach Kräften zu ihrer Verminderung beitragen.

 

Wir Bischöfe appellieren an die Verantwortungsträger in unserem Land, aber auch an alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, die "Wiedervereinigung Europas" zu ihrer Herzenssache zu machen. Es liegt an uns allen, dass die Menschen das neue Europa als Heimat empfinden und nicht als anonymen Apparat oder als Labyrinth.

 

Wenn Europa Heimat sein soll, dann braucht das gemeinsame europäische Haus nicht nur eine gemeinsame Währung, sondern auch eine Seele. In diesem Zusammenhang stellen wir mit Bedauern fest, dass die Glaubensgemeinschaften in die Arbeiten des neuen EU-Konvents - dessen Ziel ja die Erarbeitung einer europäischen Verfassung ist - nicht in ausreichendem Maß einbezogen sind. Papst Johannes Paul II. hat in diesem Zusammenhang von einer "Ungerechtigkeit" und einer "Fehleinschätzung" gesprochen. Denn die Religionen haben ihren Beitrag zu jener Kultur und jenem Humanismus geleistet, auf die Europa stolz ist - und sie leisten ihn immer noch.

 

Ein krasses Beispiel der von Papst Johannes Paul II. beschriebenen "Fehleinschätzung" ist der jüngste Bericht des Europäischen Parlaments über "Frauen und Fundamentalismus". Der Bericht suggeriert eine Nähe der Kirchen zum Fundamentalismus und leitet daraus einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Religion und individuellen Grundrechten ab. Zugleich spricht der Bericht den Kirchen das in den meisten Mitgliedsstaaten der EU geltende Recht ab, die Gesellschaft in positiver Weise mitzugestalten. Ohne diese Meinungsäußerung einer ganz knappen Mehrheit im Europäischen Parlament überbewerten zu wollen, sehen wir darin doch eine Einstellung, die einer modernen Konzeption des Verhältnisses von Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften und Staat widerspricht.


4. Pfarrgemeinderatswahlen


Die Pfarrgemeinderatswahlen sind ein Zeichen für die Vitalität der katholischen Kirche in Österreich. Die Mitverantwortung der getauften und gefirmten Christen für die Gemeinschaft der Kirche ist in diesem Wahlvorgang zum Ausdruck gekommen. Dass sich mehr Katholiken an den Pfarrgemeinderatswahlen beteiligt haben als regelmäßig den Gottesdienst mitfeiern, ist ein Hinweis darauf, dass die Verbundenheit mit der Kirche größer ist als manche Statistiken vermuten lassen.

 

Der besondere Dank gilt jenen Frauen und Männern, die bisher die Arbeit in den Pfarrgemeinderäten mitgetragen hatten sowie jenen, die bei den Pfarrgemeinderatswahlen neu kandidiert haben. Die Gewählten bringen jetzt ihre Fähigkeiten und Meinungen ein; zum Wohl der Pfarren wird gemeinsam überlegt und beraten, aber auch ganz praktisch Hand angelegt. Der Einsatz der Pfarrgemeinderatsmitglieder macht das Bild von Kirche sichtbar, wie es das Zweite Vatikanische Konzil gezeichnet hat - als Volk Gottes aus Bischöfen, Priestern und Laienchristen auf dem Pilgerweg durch die Zeit.

 

Der Anteil der gewählten Frauen ist deutlich gestiegen. Er liegt in den meisten Diözesen über 50 Prozent. Ermutigend ist auch die Tatsache, dass unter den gewählten Pfarrgemeinderatsmitgliedern die Altersgruppe der 30- bis 50-jährigen besonders stark vertreten ist.


5. Allianz für den freien Sonntag


Die bundesweite "Allianz für den freien Sonntag" startet eine erste große gemeinsame Aktion: Die Kampagne "Schneller leben? Lebensqualität durch gemeinsame freie Zeit" beginnt am 15. April und findet am Wochenende 8./11. November ihren Höhepunkt. Ziel der Kampagne ist es, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein zu vertiefen, dass die gemeinsame freie Zeit am Sonntag einen hohen gesellschaftlichen, kulturellen und psychologischen Wert hat.

 

Für die Christen gehört der Sonntag als Tag der Auferstehung Christi zum zentralen Glaubensbereich. Wir Bischöfe begrüßen es daher sehr, dass nunmehr auch die evangelischen und die orthodoxen Kirchen unseres Landes der "Allianz für den Sonntag" beigetreten sind.

 

Ebenso wird der einstimmige Beschluss der Landeshauptleutekonferenz, mit dem Bund und Länder aufgefordert werden, den freien Sonntag verfassungsmäßig zu verankern, mit Dankbarkeit zur Kenntnis genommen. Dieser Beschluss kann als Signal dafür gesehen werden, dass jenseits aller politischen, wirtschaftlichen und weltanschaulichen Interessen das Bewusstsein für den Wert des freien Sonntags gewachsen ist.


6. Ökumenisches Sozialwort


Die lebhafte öffentliche Diskussion über den "Sozialbericht" - der einen Überblick über die sozialen Initiativen der christlichen Kirchen in Österreich bietet - ist ein Zeichen für die Aktualität der vom Evangelium inspirierten Werthaltungen. Die Bischofskonferenz begrüßt insbesondere auch den Dialog über den "Sozialbericht" mit den politischen Parteien. Mit der ÖVP hat bereits ein solcher Dialog stattgefunden, ähnliche Vorgänge mit der SPÖ und den Grünen sind in Vorbereitung. Ebenso ist der "Sozialbericht" Grundlage für Gespräche mit den großen Interessenvertretungen. Auch auf Bundesländerebene gibt es viele positive Begegnungen im Rahmen des Projekts "Ökumenisches Sozialwort", das vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich mit seiner Vorsitzenden Prof. Christine Gleixner getragen wird. Bedeutsam erscheint, dass das Institut für Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, das Institut für Systematische Theologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und die Orthodoxe Akademie von Kreta das gesamte Projekt gemeinsam wissenschaftlich begleiten.


Bischof Maximilian Aichern hat als zuständiger Referatsbischof mitgeteilt, dass die Gesprächsphase über den "Sozialbericht" bis zum Schulschluss andauern soll. Wir laden die Pfarrgemeinden, die katholischen Organisationen, die laienapostolischen Gruppierungen ein, sich intensiv an dieser Gesprächsphase zu beteiligen und ihre Stellungnahmen der Katholischen Sozialakademie zu übermitteln.

 

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