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Theologen unterstreichen "radikale Modernität" von Ostern

Dogmatiker Tück: Christliche Auferstehungsbotschaft hat nichts mit Wiedergeburt zu tun - Theologe Niewiadomski: Gott will Hingabe, kein Opfer

06.04.2012

Wien-Innsbruck (KAP) Ostern ist kein angestaubtes Fest, das banale Konsumgelüste befriedigt, sondern hat eine "radikale Modernität": Darauf weisen österreichische Theologen aus Anlass des nahenden höchsten Festes des Christentums hin. So warnt der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück etwa vor einem Niedergang des Auferstehungsglaubens und vor einem "Salon-Atheismus", der sich in "ironischer Distanz" zur Religion gefällt. Selbst säkulare Philosophen wie etwa Jürgen Habermas hätten bemerkt, dass durch den "Verlust der Auferstehungshoffnung ein Sinn-Vakuum entsteht, das nicht gefüllt werden kann", so Tück im Interview mit der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag".

 

Zugleich zeigt sich der Theologe zuversichtlich, dass es nicht zu einem gänzlichen Rückgang dieses christlichen Glaubensinhaltes kommen wird - denn er entspreche einer "anthropologischen Grunderfahrung": "Machen wir nicht in gelungener Freundschaft und Liebe eine Erfahrung, die ein Sinnversprechen enthält, das auf Dauer zielt?", fragt Tück. Und "kennen wir nicht die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, dass die Täter nicht auf Dauer über ihre Opfer triumphieren?"

 

Ein auf solche Erfahrungen aufbauender Auferstehungsglaube habe freilich nichts mit einer "mirakulösen Wiederbelebung eines Leichnams" zu tun. Vielmehr zeige das Beispiel Jesu, dass Auferstehung den Übergang in ein Leben meint, "das keinen Tod mehr kennt" und in dem Leiblichkeit "nicht mehr an die Gesetze von Raum und Zeit gebunden" ist. Auferstehung meint laut Tück den Eingang eines Stücks "gelebter Geschichte in die Ewigkeit Gottes".

 

Schließlich betonte der Dogmatiker, dass die christliche Auferstehungshoffnung in keiner Weise mit einem Reinkarnationsglauben zu verwechseln sei. Beide seien "letztlich unvereinbar", da sie auf einem unterschiedlichen Menschenbild, einem unterschiedlichen Zeitverständnis und einem jeweils anderen Begriff von Erlösung basierten. Während der Reinkarnationsglaube Leib und Seele getrennt sieht, Zeit als wiederholbar ansieht und Erlösung in einem "Konzept ethischer Selbstvervollkommnung" erkennt, versteht das Christentum den Mensch als Leib-Seele-Einheit in einer linearen Zeitentwicklung und mit einer ganz auf Gott zentrierten Erlösungsvorstellung.

 

"Gott will Hingabe, keine Opfer"

 

Auf die besondere "radikale Modernität" der Karwoche - das Geheimnis des Leidens und Sterbens Jesu - verweist hingegen der Innsbrucker Dogmatiker Jozef Niewiadomski. "Verglichen mit unserer modernen Welt, die sich in banalen Konsumgewohntheiten und Arbeitsstress erschöpft, ist das Geheimnis der Karwoche doch etwas Faszinierendes und näher am Lebensnerv als vieles, das gerne modern sein will", so Niewiadomski in einem Interview mit den westösterreichischen Kirchenzeitungen.

 

Eine "moderne" Lesart des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu würde vor allem klar stellen, dass Gott kein "Opfer im Sinne der Victimisierung" wolle, vielmehr gehe es beim Kreuzestod Jesu um "Hingabe" als ein Akt der Liebe. Zugleich feiere die Kirche mit dem Leiden und Tod Jesu, "dass der lebendige Gott selber" sich auf den "banalen menschlichen Weg" des Leidens begeben hat. Der Gläubige könne sich dadurch ganz "in die Hände Gottes" geben - denn das sei die Botschaft: "Ich kann nie so tief fallen, dass ich von Gott verlassen wäre. In dem Sinn bin ich gelöst, erlöst."

 

Für den Christen werde - dies zeigt der Karfreitag - der Tod zum "Ort der Begegnung mit Gott", so der Theologe weiter. Und so könne die rettende Botschaft von Karwoche und Ostersonntag für Niewiadomski lauten: "In meinem Sterben falle ich in die offenen Arme Christi. Weil Christus gestorben und auferweckt worden ist, sind wir mit Christus gestorben und auferweckt worden."

 

 

 

 

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