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Papst betet Karfreitagskreuzweg auch für Opfer der Finanzkrise

Vor antiker Kulisse des römischen Kolosseums und Kerzenlicht mehr als 40.000 Menschen erwartet

06.04.2012

Rom (KAP) Papst Benedikt XVI. betet am Freitagabend den traditionellen Kreuzweg beim römischen Kolosseum. Zur Feier im Gedenken an den Tod Jesu, der von der modernen Bibelwissenschaft auf das Jahr 30 - vor 1.982 Jahren - datiert wird, werden vor antiker Kulisse und Kerzenlicht mehr als 40.000 Menschen erwartet. Über 14 Stationen gehen der Papst und die Gläubigen symbolisch den Weg Jesu zum Kreuz nach. Auch für Menschen, die durch die Finanzkrise in den Abgrund fielen, soll gebetet werden.

 

Benedikt XVI. bleibt dabei die meiste Zeit auf einer fixen Position auf dem Palatin-Hügel. Von dort aus kann er das erleuchtete Amphitheater, das Kaiser Vespasian im 1. Jahrhundert erbauen ließ und in dem bis zum Toleranzedikt Kaiser Konstantins im Jahre 313 viele Christen den Märtyrertod fanden, gut überblicken.

 

Die Meditationen nehmen dabei auch auf aktuelle Leiden Bezug. Erstmals in diesem Jahr wurden die Texte von einem Ehepaar verfasst, Anna Maria und Danilo Zanzucchi. Die beiden sind seit fast 60 Jahren verheiratet. Die Texte gehen auf Familien und Kinder ein, die unter Leid und drückenden Sorgen leben müssen, darunter Abwesenheit der Eltern, Armut, die Folgen der Finanz- und Wirtschaftkrise sowie Naturkatastrophen.

 

Wegen des erwarteten Andrangs am Kolosseum werden die umliegenden Straßen bereits tagsüber für den Verkehr gesperrt. Zahlreiche Buslinien werden umgeleitet. Die nahe gelegene U-Bahn-Station "Colosseo" bleibt geschlossen.

 

Am Nachmittag leitet der Papst im Petersdom die "Feier vom Leiden und Sterben Christi". Besonderes Kennzeichen des von Stille und Ernst geprägten Gottesdienstes ist der Ritus der Kreuzverehrung; eine Messe findet an diesem Tag nicht statt. Die Predigt hält der Kapuzinerpater und päpstliche Hausprediger Raniero Cantalamessa, einer der bekanntesten Theologen Italiens.

 

Liturgischer Höhepunkt der Woche ist Samstagabend die Feier der Osternacht. Zum Zeichen der Auferstehung Jesu entzündet Benedikt XVI. in der Vorhalle des Petersdoms das Osterlicht. Im Laufe des mehrstündigen Gottesdienstes will er acht Personen durch Taufe, Firmung und Erstkommunion in die Kirche aufnehmen, unter ihnen eine Deutsche. Am Sonntag zelebriert der Papst auf dem blumengeschmückten Petersplatz die Ostermesse. Anschließend verkündet der fast 85-Jährige die traditionelle Osterbotschaft und spendet den Segen "Urbi et orbi", "der Stadt Rom und dem Erdkreis".

 

Donnerstagabend hatte Benedikt XVI. die Feier der "Heiligen drei Tage" mit einer Messe im Gedenken an das Letzte Abendmahl Jesu eröffnet. Während des Gottesdienstes in der Lateranbasilika wusch er zwölf Priestern die Füße. Er erinnerte damit an die Geste Jesu, der seinen Jüngern im Abendmahlssaal die Füße gewaschen hatte.

 

In seiner Predigt warnte der Papst vor menschlichem Hochmut und einem falschen Verständnis von Freiheit. Wer meine, sich von Gott befreien zu müssen, entfremde sich von sich selbst. Benedikt XVI. ging auch auf das Symbol der "Nacht" ein, die Jesus vor seinem Tod durchstehen musste: "Nacht bedeutet Kommunikationslosigkeit, in der einer den anderen nicht sieht. Sie ist Sinnbild des Nicht-Verstehens, der Verdunkelung der Wahrheit. Sie ist der Raum, in dem das Böse sich entfalten kann, das sich vor dem Licht verstecken muß. Jesus ist selbst das Licht und die Wahrheit, die Kommunikation, die Reinheit und die Güte."

 

An der Feier nahmen neben zahlreichen Kardinälen und Bischöfen auch die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschafter teil. Die Kollekte des Gottesdienstes war für syrische Flüchtlinge bestimmt.

 

 

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