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Schönborn trifft homosexuellen PGR-Kandidaten aus Stützenhofen

Kardinal hält zur Pfarrerinitiative fest: "Weg des Gesprächs noch nicht ausgeschöpft" - Kirche unterstützt Zweisprachigkeit in Kärnten

23.03.2012

Wien (KAP) Kardinal Christoph Schönborn wird am Samstag mit dem homosexuellen Kandidaten aus der Weinviertler Pfarre Stützenhofen zu einem persönlichen Gespräch zusammentreffen. Bei der Pressekonferenz am Freitag in Wien im Anschluss an die Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz wollte der Wiener Erzbischof noch nichts über eine mögliche Lösung in der Angelegenheit sagen, sondern das direkte Gespräch abwarten. "Wir sehen uns die Sache genau an", antwortete er auf die Frage, ob der 26-Jährige, der in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, Mitglied des Pfarrgemeinderates in Stützenhofen werden kann.

 

Zum Umgang mit gleichgeschlechtlich orientierten Menschen unterstrich der Kardinal die grundsätzliche Position der katholischen Kirche, die auch im Weltkatechismus festgelegt sei: Kein Mensch dürfe aufgrund seiner Herkunft, Rasse, seines Geschlechts oder seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Freilich gebe es für jede kirchliche Funktion und jedes Amt vorgegebene Rahmenbedingungen, die zu beachten seien. Zum Beispiel könne ein Angehöriger einer nichtchristlichen Religion kein Pfarrgemeinderatsmitglied werden. Und auch z.B. Religionslehrer müssten in einer Lebenssituation stehen, die mit kirchlichen Vorgaben übereinstimmt und keinen Widerspruch zu grundsätzlichen Überzeugungen der Kirche stehe.

 

Die Beachtung dieser Rahmenbedingungen gelte somit nicht nur für Homosexuelle und stelle auch keine Diskriminierung dar, unterstrich Schönborn.

 

Der Kardinal kündigte an, er werde am Palmsonntag als Gast der ORF-"Pressestunde" detaillierter auf den Fall eingehen.

 

Weiterhin "Klärungsbedarf" bei Pfarrer-Initiative

 

Als Vorsitzender der Bischofskonferenz berichtete Schönborn, die Bischöfe hätten sich bei ihrem Treffen in Tainach/Tinje (Kärnten) auch nochmals mit der Pfarrer-Initiative und deren Aufruf zum Ungehorsam befasst. Dieser bedürfe weiterhin der "Klärung", Gespräche zwischen Vertretern der Initiative und deren zuständigem Diözesanbischof seien im Gang. Eine "Pattsituation" durch jeweilige festgelegte Positionen stellte der Kardinal in Abrede, die Pfarrer-Initiative habe z.B. zuletzt einen "modifizierten Text" mit ihren Forderungen veröffentlicht.

 

Auch mit der Kurie in Rom hätten die österreichischen Bischöfe vereinbart, dass der Weg des Gespräches mit den Pfarrern weiterhin beschritten werde. Dieser sei "noch nicht ausgeschöpft".

 

Schönborn wies auf das ausführliche Hirtenwort des Grazer Bischofs - und stellvertretenden Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Egon Kapellari, zur Fastenzeit hin, in dem auch von der Pfarrer-Initiative die Rede sei. Kapellari hatte darin versichert, alles ihm Mögliche zu tun, um Reformen fordernde Katholiken "im großen Schiff" der Kirche zu halten. Freilich dürften sich diese nicht des "Steuerrads" bemächtigen wollen, sonst drohe Spaltung. Diese Aussagen Kapellaris haben - so Schönborn - "großes Gewicht" und würden von den anderen Bischöfen mitgetragen.

 

Im Rückblick auf die Vollversammlung in Südkärnten zeigte sich Kardinal Schönborn von der dort gelebten Zweisprachigkeit "beeindruckt". Diese sei nicht zuletzt beim Gottesdienst im Rahmen der Bischofskonferenz am Dienstagabend eindrücklich erlebbar gewesen. Die politische Übereinkunft hinsichtlich der zweisprachigen Ortstafeln halte er für einen "richtigen Schritt zu mehr Kooperation statt Konfrontation". Die Kirche unterstützte dieses Miteinander und lebe es selbst vor.

 

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