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Bischof Kapellari macht Mut zu geistlicher Berufung

Grazer Diözesanbischof bei Wallfahrt um geistliche Berufungen nach Mariazell: Zölibat ist bei allem Ringen darum "erfüllt lebbar"

11.06.2012

Mariazell (KAP) Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari hat jungen Männern und Frauen, die vor der Herausforderung einer geistlichen Berufung stehen, Mut gemacht, "einen solchen Weg zu beginnen". In seiner Predigt bei einer Wallfahrt um geistliche Berufungen nach Mariazell sagte Kapellari, es gebe "viele Gründe für Hemmungen vor dem Überschreiten einer solchen Schwelle". Aber wenn man sich auf die drei Evangelischen Räte - Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam - wirklich einlasse, "dann wird der Zölibat erfüllt lebbar". "Ein Ringen darum bleibt freilich nie ganz erspart", fügte der Bischof vor den zahlreichen mitpilgernden Priestern, Ordensleuten, Kandidaten für das Priester- bzw. Ordensleben sowie Laienchristen hinzu.

 

Wenn alle beim Gottesdienst in Mariazell Versammelten die bisherige Geschichte ihres geistlichen Lebens erzählten, wäre gewiss auch von viel Freude die Rede, so Kapellari. Er selbst wolle diese in der Mitte der Wallfahrergemeinschaft für sich selbst "dankbar bezeugen 51 Jahre nach meiner Priesterweihe und mehr als 30 Jahre nach meiner Bischofsweihe".

 

Der Grazer Bischof wies in seiner Predigt auf den Ruf Gottes und im Neuen Testament auf den Ruf Jesu Christi hin, der an viele Männer und Frauen ergangen sei. Manche hätten sich zunächst dagegen gesträubt wie der Prophet Jeremias mit dem Hinweis auf seine Jugend; doch schließlich hätten sie den Ruf doch angenommen und seien zum Segen für viele geworden. "Dieser Ruf zielt allemal nicht auf die Intensivierung einer bloß privaten religiösen Existenz, sondern er zielt auf einen Dienst für viele, ja schließlich alle", sagte Kapellari.

 

Berufung richtet sich an alle Getauften

 

Berufung in der Kirche meine zuerst und zuletzt alle Getauften und das ihnen gegebene allgemeine Priestertum, erklärte der Grazer Bischof und ergänzte: "Das Weihesakrament gehört freilich zur unverzichtbaren Identität der katholischen Kirche und aller orientalischen Kirchen und der Ordensstand ist ein besonders kostbarer geistlicher Schatz dieser Kirchen."

 

Viele Priester und Ordensleute würden nach dem Grund gefragt, warum sie sich für diesen Lebensweg entschieden haben. Die antwortenden Erzählungen aus dem Leben der Gefragten stünden neben so berühmten Bekenntnissen wie dem Damaskuserlebnis des Apostels Paulus oder den Confessiones des Kirchenvaters Augustinus, aber auch den Geschichten bekannter Autoren aus dem 20. Jahrhundert wie Georges Bernanos, Graham Greene oder Gertrud von Le Fort.

 

Die Frage nach dem Warum weitet sich nach den Worten Kapellaris heute immer öfter aus zur Frage: "Warum sind Sie heute noch Christ?". Nach dem "Abdanken" des Kommunismus in Europa würden sich nun viele Intellektuelle "am Christentum reiben". Christen sollten diese Herausforderungen annehmen, und das nicht nur auf intellektueller Ebene, wie Kapellari appellierte: Es gehe letztlich um die "Frage, ob wir Christen mit einem Einsatz von Hirn, Herz und Hand, also von Denken, Fühlen und Handeln so glauben können, dass wir anderen helfen, auch zu glauben."

 

 

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