Druckansicht - Wednesday 19. June 2013

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Weltfamilientreffen: Kongress über Kirche, Politik, Ökonomie

Redner wollen in Mailand unter anderem der Frage nachgehen, ob das starke Netz der Familie auch etwas zur Überwindung der gegenwärtigen Krisensituation beitragen kann

24.05.2012

Mailand (KAP) Vier Kardinäle - Angelo Scola (Mailand), Ennio Antonelli (Vatikan/Familienrat), Norberto Rivera Carrera (Mexico City) und Gianfranco Ravasi Vatikan/Kulturrat) - eröffnen am 30. Mai in Mailand den Internationalen Familienkongress. Er bildet neben der Papstmesse am Sonntag, 3. Juni, das Herzstück des Weltfamilientreffens.

 

Gleich am ersten Vormittag dürfte es auch um den krisenhaften Kontext gehen, in dem das Ereignis stattfindet. Redner wollen unter anderem der Frage nachgehen, ob das starke Netz der Familie auch etwas zur Überwindung der wirtschaftlich-sozial-psychologischen Depression, von der Italien besonders betroffen ist, beitragen kann.

 

Den zentrale Input dazu liefet der Präsident des "Forum delle Associazioni Familiari" und Direktor des "Centro Internazionale Studi Famiglia" (CISF) in Mailand, der Soziologe Francesco Belletti. Der Absolvent der römischen Santa-Croce-Universität des Opus Dei ist einer der brillanten Köpfe in der Kirche Italiens. Er war als Mastermind maßgeblich an der Kongressplanung beteiligt.

 

In einem Interview für "Radio Vatikan" wies Belletti darauf hin, dass vor allem die Familie jenes Auffangnetz biete, das helfe, auch die Auswirkungen eines massiven Einbruchs im Lebensstandard - derzeit die Realität in Italien - zu bewältigen. In der Familie lerne man, Opfer zu bringen, Schwache mitzutragen und die fundamentalen mitmenschlichen Werte einzuüben.

 

Dass der "Patient Italien" nicht so leicht genesen wird, wie anfangs die Sanierungskur Ministerpräsident Mario Montis in Aussicht stellte, dringt nun voll in das Bewusstsein der Bürger. Sein Ansehen ist zuletzt in der italienischen Bevölkerung um 9 Punkte auf 51 Prozent gesunken.

 

So scheinen die Anstrengungen zur Tilgung der gewaltigen Staatsschulden und zur Liberalisierung der Wirtschaft ein Kinderspiel gegenüber denjenigen, die noch zu leisten sind, damit es zu dem versprochenen Wirtschaftsaufschwung kommt.

 

Riccardi: Starke katholische Stimme im Kabinett

 

Wichtigster Mann der katholischen Liga im Kabinett ist zweifellos Andrea Riccardi, der angesehene Gründer der Laiengemeinschaft Sant'Egidio. Er wird auch beim Weltfamilientreffen erwartet. Mit Riccardi wurde erstmals das Ministerium für internationale Zusammenarbeit und Integration geschaffen, allerdings ohne eigenen Etat. Ihm kommt im wesentlichen die Aufgabe zu, zwischen den sozialen Lagern zu vermitteln. Seine Bemühungen um eine gerechtere Familien- und Sozialpolitik sind unbestritten.

 

Bellettis Familienforum hatte sich im März mit einem Katalog von Reformvorschlägen an das Parlament gewandt. Tatsächlich wurde am 20. April ein erster "Familienplan", eine Serie von Initiativen zur Unterstützung der Familien verabschiedet, und zwar mir einem Etat von 81 Millionen Euro. Diesen sollen gezielt für Kinder-, Alten- und Krankenversorgung investiert werden.

 

Darüber hinaus hat Riccardi die Befreiung von der Immobiliensteuer für Familien mit mindestens zwei Kindern durchgesetzt. In Anbetracht der allgemeinen Kürzungen erscheint diese Zugeständnisse mehr als großzügig. Sie sind sicherlich die richtigen Ansätze zum Umdenken: dass die Familie der gesellschaftlichen, staatlichen Unterstützung bedarf.

 

Beim Kongress in Mailand wird zwar das Sozialthema breiten Raum einnehmen, ebenso wird es aber um Lebensschutz, Bioethik, Kirche und Familie sowie Berufung der Familie gehen. Abschließend soll auch über Brüche - Scheidung, Versöhnung, Umgang damit durch Seelsorger - gesprochen werden. Beispiele gelungener Familienpastoral werden aus allen Kontinenten berichtet.

 

 

 

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