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Mailand (KAP) Daniel Barenboim hat in der Mailänder Scala ein Konzert für Papst Benedikt XVI. dirigiert. Auf dem Programm stand am Freitagabend die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Ausführende waren Chor und Orchester des Opernhauses. Der Papst würdigte die Scala in seiner anschließenden Ansprache als "musikalischen und kulturellen Referenzpunkt" für die ganze Welt.
Benedikt XVI. war am Freitagnachmittag zum VII. Weltfamilientreffen in die norditalienische Stadt gereist, wo er bis Sonntag bleibt. Vor dem Konzert hatte er auf dem Domplatz vor rund 60.000 Menschen zu einer "großzügigen Hilfe" für die Erdbebenopfer in Norditalien aufgerufen.
Benedikt XVI. hob in der Scala hervor, dass die Freude, von der im Schlusschor der 9. Symphonie die Rede ist, nicht spezifisch christlicher Natur sei. Die "Ode an die Freude" stelle eine Einladung an alle Menschen jenseits aller Barrieren und Überzeugungen dar, so der Papst. Mit seiner Vertonung von Friedrich Schillers Ode beschwöre Beethoven eine "ideale Vision der Menschheit". Es gehe in dem Stück in einem allgemeinen Sinne um ein brüderliches Zusammenleben der Völker und einen Sieg über den Egoismus. Hinzu komme der Wunsch, dass der Gang der Menschheitsgeschichte von Liebe bestimmt sei, führte er aus.
Zugleich wandte sich der Papst gegen abstrakte Vorstellungen von Gott. Der Mensch brauche "keinen irrealen Diskurs über ein weitentfernten Gott". Ebenso wenig helfe ihm eine unverbindliche Brüderlichkeit. Der Mensch suche einen Gott, der ihm nahe sei und eine Brüderlichkeit, die den Mitmenschen durch das Leiden hindurch unterstütze, sagte Benedikt XVI.
Nur mit einem solchen Gottesbild sei es möglich, sich ein Konzert, das ein freudiges Fest sein sollte, "im Schatten" der jüngsten Erdbeben in Norditalien anzuhören, die vielen Bewohnern des Landes großes Leid gebracht hätten.

